Auszeit Interview – Winterpause

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Wir gönnen uns was – Pause

Manchmal muss man sich einfach eine Pause gönnen. Besonders nach dem doch sehr anstrengenden Saisonabschluss für Jimber und mich, stand diese Entscheidung doch relativ schnell fest. Schon auf dem Rückweg von unserem letzten Turnier in Engelschoff war mir klar, dass ich es die nächsten Tage erst einmal etwas ruhiger angehen würde. Für diejenigen, die es interessiert, hier geht es zu unserem Turnierbericht.

Nun versuche ich euch den Bericht über unsere Pause schon seit längerem fertig zu stellen. Aber irgendwie will der Text nicht so richtig fließen, mir fällt es schwer überhaupt einen Anfang zu finden. Trotzdem möchte ich euch von unserer Pause erzählen.

Entspannt in die Winterpause

Das es mir schwer fällt darüber zu schreiben, liegt ein bisschen daran, dass ich unsere Pause sehr genieße. Nach der stressigen Turniersaison habe ich mich bewusst dazu entschieden, mal ein bisschen den Druck aus unserem Training zu nehmen und ganz bewusst eine Pause einzulegen. Das Reiten, zum Beispiel im Gelände, auch einfach mal wieder nur zu genießen. Ohne jeglichen Gedanken daran, wie wir dabei grade aussehen, ohne viele Termine und ohne getaktetes Training. So konnten wir wirklich ein wenig entspannen.

Diese Entspannung breitete sich gleich weiter aus. Leider so weit, dass ich darüber gar nicht so flüssig schreiben kann, wie ich es eigentlich gerne würde. Na gut, ein entspanntes Reitprogramm bedeutet ja auch gleichzeitig, dass bei uns nicht viel aktionreiches passiert. So gibt es nichts, über das man interessante Artikel in null Komma nichts verfassen könnte. Aber auch diese Zeiten gehören natürlich zu dem Leben mit unseren Pferd dazu.

Pause muss sein

Die schönsten Erinnerungen sind stets Erlebnisse, für die man sich Zeit genommen hat. Ich weiß genau, dass ich immer durchs Leben gehetzt bin, zu viel Ungeduld und Rastlosigkeit im Gepäck gehabt, zu viele Chancen verpasst, zu viele wertvolle Menschen im aufgewirbelten Staub übersehen habe.

Charles Kuralt
Die Pause wird für Ausritte genutzt.

Kraft aus der Natur

So haben wir die ersten zwei Wochen nach dem letzten Turnier die meiste Zeit draußen verbracht. Unsere Hausstrecke konnte ich um ein paar wunderschöne Feldwege ergänzen. Ach, da könnte ich wirklich jeden Tag lang reiten. Habt ihr auch bestimmte Haus- oder Lieblingsreitwege?

Ich glaube Jimber geht es da ganz ähnlich wie mir. Auf den Feldwegen einfach Gas zu geben macht ihm viel mehr Spaß, als auf dem Viereck seine Bahnen zu ziehen. Das kann ich natürlich gut verstehen, wem würde es nicht so gehen?

Zum einen brauchten Jimber und ich mal eine Auszeit nach den ganzen Turnieren. Zum andren gab es da aber noch einen weiteren Grund, warum wir uns eine Pause gönnten. Mein Trainer hat mich in der letzten Unterrichtsstunde, darauf hingewiesen, dass ich nicht so verbissen reiten sollte. Leichter gesagt als getan, zumindest in meinem Fall.

Mit Ehrgeiz im Sattel

Ich bin leider sehr ehrgeizig was den Reitsport betrifft und steigere mich gerne in einzelne Lektionen hinein. Dabei sehe ich dann meistens nicht mehr, was sich schon alles verbessert hat. Sondern ich lege meinen Fokus immer wieder auf die Dinge, die noch nicht so gut klappen. Tja, genau da liegt bei mir das Problem.

Ich steigere mich gerne in meine Aufgaben hinein. Diese würde ich dann am liebsten so oft wiederholen, bis mein Perfektionismus befriedigt ist. Dabei kann sich wohl jeder Reiter vorstellen, dass diese Herangehensweise nur bedingt, mit unserem Partner dem Pferd, funktioniert. Hinzu kommt noch, dass ich mich dabei gerne völlig versteife. Das ist dann nicht nur irgendwann frustrierend für mich, sondern natürlich auch für Jimber. Auch das Loben kommt dabei dann meistens zu kurz.

Das Problem ist mir also schon länger bekannt. Besonders nach dieser Saison, mit der ich natürlich nicht ganz zufrieden war, verstärkte sich mein Verhalten. Nachdem mir auch Herr Thieme, im Rahmen unseres ersten Winterlehrganges riet, meinen Ehrgeiz etwas runter zu schrauben, ließ sich es sich auch nicht mehr schönreden.

Lösungsansätze entwickeln

Meine Konsequenz daraus waren, erst einmal meine Unterrichtsstunden runter zu schrauben. Das passte zeitlich eh ganz gut, da meine Trainerin in Ihrem Beruf stark eingespannt war und auch noch in Ihren wohl verdienten Urlaub fuhr. Somit nehmen wir momentan nur einmal im Monat Unterricht bei unserem Trainer Manuel.

Neben ausgiebigen Geländeritten versuche ich ansonsten durch regelmäßiges Springtraining wieder Abwechslung rein zu bringen. Am Springen haben Jimber und ich eigentlich immer viel Spaß. Zudem lenken mich die ganzen Hölzer in der Halle gut von meinem Perfektionismus ab. Da stehen dann einfach andere Dinge in meinem Fokus. Nicht runter zu fallen zum Beispiel.

Winterzeit Lehrgangszeit

Pferd im Anhänger beim Besuch eines Lehrgangs während der Winterpause.

Nun soll das natürlich nicht bedeutet, dass Jimber und ich uns den ganzen Winter über einen Lenz machen und hoffen uns durchs nichts tun zu verbessern. Ganz im Gegenteil. Natürlich hatte ich gehofft, dass ich meinen Terminkalender etwas entzerren könnte um einfach weniger auf meiner To-do-Liste zu haben. Das hat bis jetzt noch nicht ganz so gut geklappt. Aber dafür durften wir so tolle Dinge erleben, dass ich einen etwas stressigeren Alltag doch gerne dafür in Kauf nehme.

Wir wollen den Winter zwar entspannt trainieren, holen uns aber gerne immer wieder neuen Input. Neben dem monatlichen Training bei Manuel und dem regelmäßigen Springunterricht fahren wir deshalb zu verschiedenen Lehrgängen und lassen uns dort inspirieren. Ende September standen so gleich zwei Wochenendausflüge auf dem Programmplan.

Dressurlehrgang Gestüt Pilz

Für einen Dressurlehrgang bei Michael Thieme ging es wieder einmal zum Gestüt Pilz nach Lilienthal. Dort hatten wir im letzten Winter ebenfalls einen Lehrgang bei Manuel besucht. Der Unterricht hatte uns so gut gefallen, dass wir nun das große Glück haben Manuel einmal im Monat bei uns auf der Anlage in Empfang nehmen zu können.

Deshalb freuten wir uns auch dieses Mal sehr, über die Lehrgangsplätze bei Herrn Thieme. Da wir schon viele positive Feedbacks zu dem Unterricht bei Herrn Thieme bekommen hatten, waren wir sehr gespannt was uns erwarten würde. Den guten Ruf, der Ihm vorauseilt, können wir nur bestätigen. Wir durften an zwei sehr lehrreichen Tagen bei Ihm trainieren und nach kurzer Eingewöhnungszeit konnten wir so einige Übungen für uns mitnehmen. Zudem haben wir mal ausprobiert unsere Bügel etwas kürzer zu verschallen. Gewöhnungsbedürftig, aber vielleicht sollte man öfter mal mit seinen Bügellängen variieren. Aktuell reiten wir auf jeden Fall immer noch mit den kürzerren Bügeln und werden mal schauen ob wir diese so beibehalten.

Eine meiner liebsten Übungen, die ich für mich mitnehmen konnte ist das Viereck zu vergrößern und zu verkleinern. Wenn man dabei wirklich schaut, dass das Pferd grade bleibt, bekommt man schnell Druck auf den äußeren Zügel und verbessert so die Anlehnung. Außerdem sind wir viele Übergänge geritten, bei denen ich die Schritte in der jeweils anderen Gangart genau gezählt habe, um dann auf den Punkt wieder in die andere Gangart zu wechseln. So gelang es mir ein wenig mehr an Jimbers Hinterbein zu kommen. Alles im allen haben wir also so einiges für uns mitnehmen können und waren sehr zufrieden mit dem Wochenende.

Symposium für feines Reiten mit Uta Gräf

Direkt an dem darauffolgenden Wochenende ging es für Franzi und mich dann auch schon nach Remscheid. Hier durften wir Dank unseres Partners equiXtreme an dem Symposium für feines Reiten mit Uta Gräf teilnehmen. Zum einen freuten wir uns riesig die ganzen Mädels von der Equitana wieder zu sehen und zum anderen waren wir super gespannt was wir bei dem Unterricht vielleicht für Tipps und Tricks an die Hand bekommen würden.

Die Unterrichtsstunden die Uta gab waren über den kompletten Samstag und Sonntagvormittag verteilt. Die Teilnehmer der Stunden hatten eine große Leistungspanne, von S bis hin zur E Dressur war alles vertreten und so konnten alle Besucher sich das Passende für sich heraussuchen. Für mich waren natürlich die Stunden mit den L Reiter die spannendsten, da meistens auch Schwierigkeiten besprochen wurden, bei denen ich mich wiederfinden konnte.

Ich konnte so ein paar Kniffe beim Kurzkehrt mitnehmen. Immer wenn das Pferd dabei ins Stocken kommt, soll man wieder fleißig vorwärts reiten. Es kann sogar angetrabt oder galoppiert werden. Wichtig ist hier einfach der Schenkelgehorsam. Zudem sollte man lieber nur ein paar gute Schritte Kurzkehrt reiten, als immer zu versuchen eine komplette Runde perfekt hinzubekommen. Wirklich ein guter Tipp, besonders wenn man nochmal an meine Problematik zurückdenkt.

Außerdem kamen auch hier wieder die Übergänge ins Gespräch. Wie auch bereits von Herrn Thieme empfohlen ließ auch Uta einige Reiter z.B. Galopp Schritt Übergänge reiten. Dabei allerdings immer nur 1-2 Schritte im Schritt und dann sollten die Teilnehmer wieder angaloppieren. Wie oben bereits erwähnt eine gute Übung um mehr Last auf die Hinterhand zu bekommen.  Einer der wichtigsten Aussagen beim Training für mich war allerdings folgende: „Triebiege Pferde soll man so wenig wie möglich treiben, wobei man bei heißen Pferden so viel wie möglich nachtreiben sollte.“

Für mich stand fest, dass ich mit Jimber definitiv mehr auf das Schenkelgehorsam achten muss, aber auf keinen Fall ins Quetschen kommen darf. Also konnten wir auch bei diesem Ausflug viele Dinge für unser Training zu Hause mitnehmen und waren zudem sehr motiviert alles einmal auszuprobieren. Wenn man ein ganzes Wochenende beim Reiten zusieht, dann bekommt man doch schnell ein großes Bedürfnis sich selbst wieder in den Sattel schwingen zu wollen. Geht’s euch da auch so?

Das Fazit unserer Pause

Nun habt Ihr einen kleinen Einblick bekommen, wie Jimber und ich von einer sehr entspannten Trainingspause in eine doch eher aktive Pause gewechselt haben. Die anfangs ruhigere Zeit haben wir wohl gebraucht, um wieder den Spaß am Training zu finden. Besonders ich konnte mal wieder unverkrampft das Reiterleben einfach genießen und freue mich momentan wieder jeden Tag zusammen mit den Dicken an Dingen pfeilen zu können. Manchmal verfalle ich natürlich noch in mein persönliches Schema F. Dafür habe ich dann aber ja meine tollen Mädels, die mich dann ausbremsen oder mir Vorschläge machen, wenn ich mal nicht weiterweiß. Ratschläge von außen einfach mal anzunehmen kann einen schon einen guten Schritt voranbringen. 

Titelbild von Nina Thomann