Sitzschule Biomechanisch korrektes Reiten

Die biomechanische Sitzschule

Auf Empfehlung unseres Trainers hatten wir am Wochenende einen Sitzschullehrgang bei Daniela Rahn. Daniela hat sich auf das biomechanisch korrekte Reiten spezialisiert. Im Rahmen Ihres Sitzschule geht sie auf die individuelle Asymetrie sowie die Reit- und Haltungsmuster eines jeden Reiters ein und beeinflusst diese zum Positiven, um dem Pferd die größtmögliche Chance einer uneingeschränkten Bewegungsfreiheit zu geben.

Ich bin ganz unvoreingenommen an den Lehrgang herran gegangen und hatte keinerlei Erwartungen. Ich habe mich vorab schonmal mit dem biomechanischem korrekten Reiten auseinander gesetzt und wusste zumindest, dass es die Einwirkung auf das Pferd enorm positiv beeinflussen kann. Mehr darüber erfahrt Ihr in meinem Bericht “Trainieren statt Dressieren – Der Unterricht“. Ich glaube ich kann für alle Teilnehmer der Sitzschule sprechen, wenn ich euch sage, dass wir alle tolle AHA-Momente erleben durften. Jeder Reiter hatte so seine ganz eigenen Probleme und Schwerpunkte. Bei mir konnten wir zwei Defizite auf der rechten Seite feststellen.

Vor der Korrektur:

▪️mit dem Oberkörper war ich leicht hinter der Senkrechten

▪️mit den Beinen zu weit vorne

▪️mit dem rechten Sitzbeinhöcker zu weit hinten

▪️ich hänge rechts

Zu meiner persönlichesn Asymetrie lässt sich sagen, dass mein linker Sitzbeinhöcker weiter vorne und näher an meiner Wirbelsäule dran ist, während mein rechter Sitzbeinhöcker weiter hinten und weiter von der Wirbelsäule entfernt ist. Daniela hat mir auch super veranschaulicht, dass mein linkes Bein eher so das Modell Bodybuilder ist. Hier wären wir dann auch wieder bei der bildlichen Veranschaulichung, so langsam sprechen alle die richtige Sprache mit mir. Na ja und mein Linkes Bein ist im Vergleich dann eher so ein Nerd.

Der Ablauf der Sitzschule

Speziell auf meine Probleme wurde dann im Laufe des Unterrichtes eingegangen. Es gab Übungen, die meinen Sitz verbessert haben. Durch mein leichtes Hohlkreuz kippten meine Sitzbeinhöcker leicht nach hinten. Diese blockieren in dieser Position die Hinterhand. So kann Jimber also gar nicht richtig gut von hinten zünden. Die Sitzbeinhöcker dürfen nur in einer Position auf den Sattel treffen und zwar senkrecht nach unten. So blockieren sie dann keinerlei Bewegungen des Pferdes. Kippen wir mit den Sitzbeinhöckern nach vorne, blockieren diese die Vorhand, kippen wir nach hinten, wird die Hinterhand eingeschränkt.

Ausserdem haben wir an meiner Körperspannung gearbeitet. Der untere Rücken und die Bauchmuskulatur müssen bei mir noch mehr angespannt werden. Um die Spannung aufzubauen, gab es eine Übung, bei der wir uns die Nase zugehalten haben (als wenn ihr euch die Nase schnäuzt). So bekommt man schonmal deutlich Druck in die Bauchmuskeln und auch leicht in den Rücken. Meinen Oberkörper haben wir korrigiert, indem Daniela mir mit Ihrer Hand gegen mein Brustbein gedrückt hat und ich mich dagegen lehnen sollte. Dieses Gefühl sollte ich dann mit in den Sattel nehmen.

Wir sind im Laufe der Stunde immer wieder zwischen meinem alten Bewegungsmuster und meinen neuen Bewegungsmuster hin und her gewechselt, damit ich die Veränderung deutlich merken konnte. Durch das Fühlen des verbesserten Sitzes und seiner positiven Auswirkungen, kann man sich die neuen Muster viel besser abspreichern, als wenn man diese nur einmal gezeigt bekommt. Besonders auf meinen rechten Nerd muss ich aufpassen, denn ich drücke mich selbst rechts runter. Um das zu vermeiden, muss ich meine rechte Hüfte etwas hochziehen und zum linken Pferdeohr drehen.

Nach der Korrektur:

▪️Ich habe eine höhere Grundspannung.

▪️Ich befinde mich in der Senkrechten.

▪️Meine Füße befinden sich unter dem Schwerpunkt.

▪️Ich sitze ausbalancierter.

▪️Ich trabe langsamer und gefühlvoller leicht. Dabei sitze ich im Rythmus ganz sanft ein.

Welche Auswirkungen haben diese Veränderungen nun auf mein Pferd?

Mit meinem veränderten Sitz, hatte ich viel mehr Stabilität im Sattel. Das merkt auch Jimber direkt. Es fühlte sich ein bisschen an, als wenn er auf Schienen laufen würde. Seine regulären “Zur-Seite-Spring-Aktionen” konnte ich viel besser parieren oder diese sogar komplett vermeiden. Meine Beine lagen ruhiger und ich konnte meine Hilfen sehr geziehlt geben. Jimber hat sich leichter versammeln lassen und trotzdem die Vorwärtstendenz beibehalten. Generell brauchte ich so gut wie gar nicht treiben.

Es ist zwar noch anstrengend die Spannung zu halten und an alles zu denken, aber es fühlt sich gut und richtig an. Wenn ich in mein altes Bewegungsmuster zurück gegangen bin, hatte ich immer das Gefühl, überhaupt keinen Halt zu haben. Alles wackelte und die Einwirkungen auf Jimber wurden sehr schwammig. Im Anschluss an den Lehrgang bin ich dann noch Barnaby geritten. Auch bei Ihm habe ich versucht in meinem neuen Sitzmuster zu bleiben. Bei Barnaby konnte man ebenfalls dirket Verbesserungen feststellen. Er zog sich schön grade und hat sich viel weniger verworfen. Das Angaloppieren klappte besser auf den Punkt, war ruhiger und stabiler.

Habt ihr Erfahrungen mit biomechanischem Reiten? Wenn Ihr etwas an eurem Reitersitz auf Knopfdruck verändern könnten, was wäre das?
Bei mir waren es definitiv meine wackelnden Beine.

Bild von Daniela Rahn

Fazit zu der Sitzschule

Ich kann jedem die Sitzschule Biomechanisch korrektes Reiten bei Daniela Rahn nur empfehlen. Es ist erstaunlich welche positives Auswirkungen ein einzelner Lehrgangstag auf meinen Reitersitz hatte. Für mich gilt ganz klar Wiederholungsgefahr. Besonders für die Dressurlektionen würde ich sehr gerne nochmal eine Unterrichtsstunde bei Daniela reiten. Ich glaube wir haben Daniela nicht zum letzten Mal bei uns am Stall gesehen, da alle Teilnehmer für sich viel mitnehmen konnten und alle zufrieden mit den Ergebnissen nach Hause gegangen sind. Ich freue mich schon auf das Wiedersehen.

Titelbild und Beitragsbilder soweit nicht anders beschriftet, stammen von Mandina Fähse.