Der Stallwechsel – Ein Umzug mit den Pferden

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum man sich dazu entscheidet den Stall zu wechseln. Diese Entscheidung sollte allerdings nie leichtfertig oder übereilt getroffen werden. Wir haben im Hinblick auf unseren Stallwechsel für euch zusammengefasst, was alles dazugehört und worauf man achten sollte.

Die ReitZeit formuliert es in ihrem Artikel zu dem Thema folgendermaßen:
Ernste Beweggründe für einen Stallwechsel liegen immer dann vor, wenn das Wohlergehen des Pferdes durch mangelhafte Haltung, Fütterung usw. gefährdet ist. Persönliche Unstimmigkeiten mit dem Stallbesitzer oder anderen Einstellern hingegen sollten nach Möglichkeit in einem offenen Gespräch geklärt werden, ehe dem Pferd der Stallwechsel zugemutet wird. Dabei gilt natürlich grundsätzlich, dass auch der Pferdebesitzer sich in einem Stall wohl fühlen muss, in dem er seine Freizeit mit dem Pferd gestalten möchte.

Bei uns verschoben sich mit der Zeit unsere Ziele und Wünsche immer mehr. Unsere Vorstellungen an einen passenden Stall für uns und unsere Pferde hatten sich verändert. So stellten wir fest, dass unser alter Stall unsere Erwartungen nicht mehr einhalten konnte.

Dieser Entschluss ist nicht von heute auf morgen gefallen. Es war eine Entscheidung die langsam und lange gewachsen ist. Das Thema wurde mit der Zeit immer präsenter, sodass wir anfingen uns intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Unsere Beweggründe für den Stallwechsel

Zuerst analysierten wir, was sich verändert hat und was genau wir uns vorstellten für uns und unsere Pferde.

In den letzten Jahren ging es bei uns rückblickend eher ruhig zu. Trixies Sehnenschaden musste zunächst ausheilen. Danach wurde sie durch ein langes Rehatraining schonend wieder aufgebaut. Liv und Jimber mussten zuerst eine vertrauensvolle Basis miteinander finden. So lag der Fokus weniger auf den sportlichen Aspekten, sondern vermehrt auf den Basislektionen. Mittlerweile legen wir den Fokus wieder mehr auf den Sport, Trixie ist wieder fit und Jimber und Liv haben zusammengefunden.

So möchten wir in diesem Jahr wieder an Turnieren, Veranstaltungen und Trainings teilnehmen. Gleichzeitig sehnen wir uns in unserem stressigen Arbeitsalltag nach Ruhe und Entspannung bei unseren Pferden.

Der Vereinsstall ist ein schöner Stall, in dem die Pferde tagsüber viel rauskommen. Die Anlage bietet viele Möglichkeiten, wie eine 20x40m Halle, einen 20x60m Außenplatz, einen Springplatz und ein anliegendes, gutes Ausreitgelände.
Aber man muss sich immer aktiv einbringen, so gehörte auch ein wöchentlicher Arbeitsdienst zur Stallmiete dazu. Unser Alltag ist jedoch immer sehr stark ausgelastet, wodurch es für uns eine zusätzliche Belastung war.

Durch den regelmäßig stattfindenden Reit- und Voltigierunterricht konnten wir die Halle nicht flexibel nutzen. Dadurch war die Halle meistens abends nach dem Unterricht ziemlich stark frequentiert, wodurch oft die Ruhe fürs Training zu kurz kam.

Weitere Probleme zeigten sich beim Weidegang. Die Pferde standen von früh morgens bis nachmittags draußen. Leider gab es für die Pferde keine Unterstände, sodass sie allen Witterungen ausgesetzt waren. Von brütender Hitze bis hin zum Dauerregen. Im Winter standen sie dadurch leider dauerhaft im tiefen, kalten Matsch. Jimber war zusäzlich in seiner Herde das Leittier und war den ganzen Tag damit beschäftigt seinen Rang zu verteidigen. Dadurch war mit ihm abends beim Training leider nicht mehr viel anzufangen.

Die Selbst-Analyse:
Welche Art Reiter sind wir und wo sehen wir uns in der Zukunft?

Jeder Reiter möchte das Beste für sein Pferd, dadurch hatten wir viele und hohe Ansprüche an den neuen, potentiellen Stall. Dazu kam, dass wir gerne zu dritt bleiben wollten: Jimber, Trixie und Barnaby (das Pferd von Livs Schwägerin). Also war es eine zusätzliche Herausforderung, alle unsere Wünsche zu vereinen.

Wir haben aber alle einen gemeinsamen Nenner: Wir sehen uns als sportliche Freizeitreiter, die gerne im Amateurbereich vorankommen wollen und auch an dem einen oder anderen Turnier teilnehmen möchten. Wir möchten unsere Pferde gesunderhalten und sind stets bestrebt, unsere Pferde dafür bestmöglich zu trainieren.

Von daher waren uns allen die Möglichkeiten zur Nutzung der Anlage und ihre Pflege von großer Bedeutung. Die Versorgung der Pferde hat für uns oberste Priorität, deshalb war es uns wichtig, einen Stall zu finden, bei dem der Stallbetreiber alle Pferde im Blick hat und passend versorgt. Außerdem wollten wir ein nahes Ausreitgelände, um ab und an die Seele baumeln lassen zu können.

Die Suche nach dem passenden Stall

Jeder der bereits mit seinem Pferd umgezogen ist, weiß, wie komplex das Thema ist. Der Umstand mit drei Pferden umzuziehen hat das ganze Vorhaben nicht gerade erleichtert. Deshalb haben wir uns zu dritt getroffen und besprochen, was genau uns wichtig ist. Wir erstellten eine Liste mit den Ställen aus der Umgebung und den Hauptkriterien:

  • Entfernung
  • Preis/Leistung
  • Ausrichtung
  • Ausstattung und Pflege
  • Haltungsform
  • Fütterung

Einige Ställe konnten wir durch die Tabelle bereits ausschließen und andere dafür priorisieren. Die Ställe, die für uns interessant klangen, wollten wir uns im nächsten Schritt vor Ort ansehen und persönlich mit den Hofbesitzern sprechen. Wir vereinbarten Termine und fuhren los.

Die Entfernung des Stalles

Wir haben uns am Anfang unserer Suche einen Radius zur maximalen Entfernung der Ställe gesteckt, sodass die Anfahrtskosten und Fahrzeit im Rahmen des Möglichen bleiben. Die monatlichen Kosten für die Anfahrt haben wir ausgerechnet und auf die Pensionskosten aufgeschlagen.

Hier mussten wir allerdings ein paar Abstriche hinnehmen. Der Vereinsstall war von Kirsten und Liv mit dem Auto nur 1 Minute entfernt. Franzi musste schon vorher 15 Minuten zum Stall fahren.
Diesen Luxus werden wir in Zukunft nicht mehr haben. Der neue Stall ist ein paar Dörfer weiter, ca. 6-10 Fahrminuten für Kirsten und Liv, für Franzi ca 20-25 min.

Welche Service-Leistungen gibt es und wo liegt der Preis?

Da wir uns mehr Leistungen und weniger Eigenleistung gewünscht haben, wussten wir, dass der Preis für die Boxenmiete etwas steigen würde. So liegen wir jetzt etwas über dem alten Preis, dafür haben wir aber keine zusätzlichen Verpflichtungen mehr. Wir können uns also im Stall ausschließlich um unsere Vierbeiner kümmern. Füttern, Einstreuen, Misten und das Rein- und Rausbringen sind geregelt.

Die Ausrichtung des Stalles

Ein nicht zu unterschätzendes Kriterium war auch die Größe des Hofes. Denn je mehr Pferde dort untergebracht sind, desto mehr Einsteller sind dort meistens auch zu finden. In einem Stall mit vielen Einstellern hat man natürlich einerseits immer jemanden zum Reden, es gibt aber auch schnell Cliquenbildungen, viel Trubel und Geläster. Auch die Anlage wird oft stärker frequentiert genutzt.

Mit wenigen Einstellern hat man mehr Ruhe, aber weniger Sozialkontakte. Dafür hat man die Möglichkeit, sein Training individuell zu jeder Zeit anpassen zu können.

Es gibt Ställe, die sich nur auf Pensionspferde spezialisiert haben, Vereinsställe mit laufendem Schulunterricht oder Zucht- & Verkaufsställe, die auch Einsteller aufnehmen.

Wir haben uns für einen Hof entschieden, der Aufzucht und Pension mit ein paar Einsteller kombiniert. Die Entscheidung viel bewusst auf diesen Stall, da wir uns schon länger mehr Ruhe beim Training gewünscht haben. Wir sind dort natürlich nicht alleine, aber mit wenigen Einstellern findet man genügend Ruhe.

Die Ausstattung und Pflege der Anlage

Hier muss jeder für sich selbst abwägen, was die Anlage bieten sollte. Für uns stand fest, dass wir uns nicht verschlechtern wollten, sondern mindestens die gleichen Gegebenheiten anstrebten.

Mit unserem Interesse am Reitsport und dem regelmäßigen Dressurtraining wollten wir auf jeden Fall eine Halle haben. Gerade im Winter wäre es sonst für uns schwierig geworden konstant weiter zu trainieren. Außerdem haben wir so die Möglichkeit, auch bei schlechtem Wetter drinnen ordentlich zu reiten. Mit Barnaby, der erst angeritten wurde, ist eine Halle auch von Vorteil. Dort kann er schonend an das Reitpferdeleben gewöhnt werden.

Auch einen Außenreitplatz ist im neuen Stall vorhanden damit wir im Sommer beim Training die Sonne genießen können und nicht unbedingt in der Halle reiten müssen. Direkt anliegend können wir auch den Springplatz mitnutzen und ein gutes Ausreitgelände soll auch da sein.

Die Haltungsform

Es gibt viele verschiedene Haltungsformen, die jeweils Vor- und Nachteile mit sich bringen: Innenbox, Außenbox, Außenbox mit Paddock, Aktivstall/ Paddocktrail, Offenstall, reine Weidehaltung, um nur einige zu nennen. Jedes Pferd ist anders und für jedes Pferd sollte hier die Entscheidung ganz individuell getroffen werden. So stehen die meisten Robustpferderassen eher in Offenställen und viele Sportpferde in den verschiedenen Arten der Boxenhaltung. Natürlich gibt es auch hier immer Außnahmen.

Für unsere Pferde wollten wir viel Sozialkontakt mit den passenden Weidefreunden haben. Das Konzept, 24 Stunden bei Wind und Wetter draußen zu sein, war dabei keine Option. Besonders innerhalb der Turniersaison, bei Krankheit, Verletzung oder anderen Umständen wollten wir gerne individuelle und spontane Entscheidungen treffen können, wann, wie lange und mit wem unsere Pferde raus kommen. Im Winter würde das Konzept nicht funktionieren da es früh dunkel wird und wir unsere Pferde nicht im Dunkeln von den Weiden oder Paddocks einsammeln wollen.

Unsere Entscheidung ist auf eine Boxenhaltung mit Fenstern inkl. täglichem Paddock- und Weidegang gefallen. Unsere Pferde stehen zusammen draußen, also Trixie und Jimber (später dann auch Barnaby nach seiner Sommerweide). Die Beiden kommen täglich für ein paar Stunden raus, wenn das Wetter nicht katastrophal ist. Durch die Kombination von Boxenhaltung und Weidezeit hoffen wir den Spagat zwischen artgerechter Pferdehaltung und dem Reitsport im Sinne unserer Pferde optimal hinzubekommen.

Nicht zu unterschätzen – die Fütterung

Die Besitzer des neuen Stalls sind gleichzeitig auch Züchter. Sie legen bereits aus Eigeninteresse viel Wert auf gutes Futter und sparen nicht an diesem Punkt. Heu und Stroh werden von ihnen selbst produziert, wodurch eine gute Qualität gesichert ist. Durch unsere Besuche vorab konnten wir uns an verschiedenen Tagen von der Futterqualität (Aussehen und Geruch) selbst überzeugen.

Es werden Pellets und ein Hafer-Gersten-Gemisch gefüttert. Das Getreide wird immer frisch gequetscht und kann so optimal von den Pferden verwertet werden. Hier sehen wir eine Verbesserung für unsere Pferde, denn in unserem Vereinsstall konnte der Hafer leider nur als ganzes Korn gefüttert werden, da keine Quetsche vorhanden war.

Passt die Anlage zum eigenen Nutzen

Ein weiterer wichtiger Punkt waren uns die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Wir klärten vorher ab, ob externe Trainer auf der Anlage Unterricht geben dürfen und welche Trainer vor Ort schon zur Verfügung stehen. Unser Wunsch war, mit unserer Trainerin weitermachen zu können. Wir arbeiten schon sehr lange gemeinsam mit ihr und sind sehr zufrieden.

Bei unserem neuen Stall können wir jeden Trainer mitbringen, den wir für gut befinden. Natürlich sind wir offen für Neues und werden bestimmt im neuen Stall auch neue Trainer kennenlernen oder gemeinsam mit den anderen Reitern trainieren. Auf diese neuen Einflüsse freuen wir uns schon sehr.

Unser Fazit

Unser neuer Stall bietet uns alles, was wir uns vorgestellt haben. Die Pferde werden rundum bestens versorgt. Sie kommen tagsüber auf die Weide in einer kleinen Gruppe, bleiben drinnen wenn das Wetter zu schlecht ist. Wir haben eine super Halle mit einem gut gepflegten Boden, der regelmäßig gewässert und geplant wird. Ein Außenplatz ist vorhanden und auch der Springplatz ist direkt angrenzend. Die Stallbesitzer haben jahrelange Erfahrung in der Aufzucht und Pflege von Pferden, sodass wir uns bei Problemen jederzeit mit unseren Fragen an sie wenden können. Für uns hat sich die ganze Mühe mit der Suche nach dem passenden Stall und dem finalen Stallwechsel vollkommen gelohnt.

Die wichtigsten Tipps von uns zum Stallwechsel

  1. Nehmt euch die Zeit, alle interessanten Ställe persönlich anzusehen
  2. Sprecht vor Ort mit den Stallbesitzern und nach Möglichkeit auch mit ein paar Einstellern, so bekommt ihr ein Gefühl für den Hof und die Leute dort
  3. Klärt alle Fragen vor dem Einzug ab, um vermeidbare Konflikte zu verhindern
  4. Macht euch Gedanken, was für euch und eure Pferde wichtig ist
  5. Rechnet aus, ob ihr euch den neuen Stall finanziell leisten könnt, vergesst auch nicht die evtl. anfallenden Spritkosten
  6. Seht euch viele Ställe an, so bekommt ihr ein Gefühl, was ihr wollt und was nicht
  7. Sprecht mit anderen Reitern und Freunden oder fragt in Gruppen nach, wo sie ihre Pferde stehen haben und wie dort die Bedingungen sind

Für die Stallsuche sollte man bereit sein, im Rahmen Kompromisse einzugehen. Hier sollte pro Pferd entschieden und ggf. die eigenen Bedürfnisse etwas zurückgestellt werden. Denn unsere Pferde verbringen Tag und Nacht in ihrem neuen Zuhause, während wir nur vereinzelte Stunden dort sind. Wichtig ist, dass man sich selbst gegenüber ehrlich bleibt, sich die benötigte Zeit für die Entscheidung zum Stallwechsel lässt und alle Dinge kritisch hinterfragt. Ziel sollte es sein, ein langfristiges Zuhause für sein Pferd zu finden.

Unglaublich wichtig bei der Wahl eines neuen Stalls ist ein gutes Bauchgefühl! Wir haben uns den neuen Stall mehrfach angesehen, bestimmt über 1000 Fragen gestellt und uns mit der finalen Entscheidung viel Zeit gelassen. Jede Frage wurde uns ausführlich beantwortet, niemand war von unseren häufigen Besuchen genervt. Einige Dinge wurden extra für uns organisiert oder sogar umgestellt. Alles in allem passte die zwischenmenschliche Chemie von Anfang an. Für uns eines der wichtigsten Kriterien, denn nur so kann man sich dort auch langfristig wohlfühlen.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.