Trainieren statt Dressieren – Der Unterricht

Trainieren statt Dressieren – Der Unterricht

Das ist das Motto von Ralf Döringshoff.

Am Mittwoch den 19.12.2018 stand für Jimber und mich eine ganz besondere Trainingseinheit auf dem Plan. Wir hatten Ralf Döringshoff zu Besuch. Von ihm bekamen meine Schwägerin Kirsten und ich jeweils eine Unterrichtsstunde.

Alles stand also unter dem Motto “Gymnastizieren statt Dressieren”. Warum genau dieser Satz Ralf’s Motto ist, erfährt man bereits beim Besuch auf seiner Homepage:

Was bedeutet gymnastizieren statt dressieren?

Unter dressieren verstehe ich die Arbeit mit Tieren im Zirkus.
Hier lernen Hunde, Elefanten, Seehunde und andere Tiere auf ein bestimmtes Kommando eine bestimmte Handlung auszuführen.

Der Reitsport hat mit all seinen Disziplinen die dressurmäßige Arbeit des Pferdes als Grundlage. Aber hier geht es nicht um das Ausführen von Lektionen (Handlungen) des Pferdes, sondern um die Verbesserung der Bewegungsmöglichkeiten des Pferdes.

Das Erweitern der Bewegungsmöglichkeiten des Sportlers Pferd, also ein Mehr an Elastizität seiner Muskulatur, dieses elastisch machen, lockern und entspannen der Muskulatur nennt man in der Sportlehre : gymnastizieren!

Die gymnastizierte Muskulatur ist dann die Grundlage für das Training des Sportpferdes und das Gelingen von Lektionen in der (Dressur-)Reiterei.

Es war ein wirklich tolles Training an unserer Basis. Auch wenn man sich manchmal etwas motivieren muss, um immer wieder an der Basis zu arbeiten, bin ich fest davon überzeugt irgendwann bekommt man die Quittung. Natürlich im positiven Sinne.
Dieses Mal hieß es aber nicht nur an Jimbers Basis zu arbeiten, sondern ganz besonders auch an meiner. An meinem Grundsitz zu pfeilen, die Koordination meiner Hüften zu verbessern und allgemein feinfühlig in mein Pferd reinzuhorchen. Um so dann im richtigen Moment die richtige Hilfe geben zu können. Das Ganze ohne den Zügel zu nutzen, denn die Hand soll ja später nur die Stellung vorgeben. Die komplette Stunde sind wir also am ganz langen Zügel geritten.

Ein lehrreicher und interessanter Tag. 1,5 Stunden ging es eigentlich fast nur im Schritt durch die Halle. Ganze Bahn und Mittelzirkel. Mehr wurde nicht gefordert, zumindest was die Hufschlagfiguren anging.
Gefühlt war es so, dass ich das Reiten einmal neu lerne. Es fühlte sich an, wie frisch in die Grundschule gekommen, mit ein bisschen persönlichem Körperklaus gemischt. Aber wenn man die Aufgaben annimmt und diese fleißig übt, kann man wirklich zu einem besseren Reiter mit viel feineren Hilfen werden. Unser Ziel ist gesteckt und ich werde mich daran machen, den Weg dahin zu genießen.
Ralf war nicht das letzte Mal bei uns zu Besuch, dass stand für uns schnell fest. Sobald die Übungen sitzen, nehmen wir die nächste Stunde. Für mich ist er die optimale Ergänzung zu meinem regulären Training. Ich betrachte es als eine Art Sitzschule und Physiotherapie in einem.

Die Übungen

Im Bauchpendel treiben

Ruhig und feinfühlig sitzt man auf seinem Pferd. Wenn man dann dem Pferd in seiner natürlichen Bewegung im Schritt folgt, wird man feststellen, dass der Bauch von der einen Seite zur anderen pendelt. In diesem vorgegebenen Rhythmus soll man dann mit dem jeweilgen Unterschenkel nach treiben. Man könnte sich eine Schaukel vorstellen, die man von der einen Seite auf die andere rüber schupsen möchte.
Wenn man diese Pendelbewegung des Bauches nicht gut fühlen kann, weil das Pferd noch jung und unausbalanciert oder vielleicht auch einfach angespannt ist, kann man auch der Schulterbewegung folgen. Immer wenn die Schulter hinten und das Bein kurz vorm erneuten abfußen ist, muss auf der Seite die treibende Hilfe erfolgen.

Schrittlängen-Variationen

Den Schritt eines Pferdes soll der Reiter ja eigentlich nicht aktiv beeinflussen. Das Pferd soll gelassen von selbst schreiten. Trotzdem kann man im Schritt toll arbeiten und auch diesen ein wenig verbessern. Bei den Schrittlängen-Variationen soll das Pferd einmal große ausladende Schritte machen und danach wieder zurück kommen und sich ein wenig “versammeln”. Das bedeutet jetzt nicht, dass ich das Pferd hektisch und unrund wild vorwärts treibe, danach wieder am Zügel ziehe um es wieder zu bremsen.

Das Pferd bleibt dauerhaft am langen Zügel. Ich sitzte leicht im Sattel, so wie es für das Pferd angenehm ist. Bei Jimber ist es leicht nach vorne geneigt, um nicht allzu penetrant mit meinen Sitzbeinhöckern in den Rücken zu drücken. Meine Hände folgen der natürlichen Bewegung des Pferdes, so dass er sich nie am Gebiss stößt. Dann treibe ich im Bauchpendel-Rhythmus den Schritt etwas raus. Nicht wesentlich eiliger im Tempo, sondern größere Schritte sind das Ziel. Nach ein paar Tritten nehme ich mein Pferd zurück, in dem ich mich groß mache, ausatme und etwas weniger stark treibe. Wenn es gut klappt gelingen vier Wechsel auf der langen Seite bei einer 40er Halle. Jimber und ich sind gestartet mit einem. Manchmal braucht das Pferd also etwas Zeit um es zu verstehen.

Im späteren Verlauf kann es euch dann aber auch passieren, dass das Pferd antrabt. Das ist keinesfalls schlimm, ganz im Gegenteil. Dann habt ihr alles richtig gemacht. Denn wenn man gar nicht daran denkt und gar nicht traben möchte, ist das später aber die richtige Hilfe dafür. Man merkt danach deutlich, dass das Pferd im Trab schön über den Rücken schwingt.

Treiben mit einem Doppelimpuls

Wie man im Bauchpendel-Rhythmus treibt, habe ich ja bereits weiter oben beschrieben. Diesen Rhythmus behält man bei. Auf der schwächeren Hand kann man sein Pferd nun noch mit einem Doppelimpuls unterstützen. Hilfreich ist dieser Doppelimpuls immer dann, wenn man sein Pferd als enorm triebig empfindet, deutliche Unterschiede zwischen den beiden Händen feststellt, oder sogar auf einer Seite tiefer und somit schief auf dem Pferd sitzt. Dann sollte man genau auf dieser Seite doppelt treiben.

Sprich statt rechts und links im Pendel, wie in unserem Fall doppelt rechts und einmal links. (zack zack rechts und zzaacckk links) Der Doppelimpuls muss dabei aber schnell hintereinander erfolgen und sollte nicht länger dauern als der einfache Impuls, denn ansonsten käme man ja aus dem Rhythmus des Bauches heraus.

Biegung und Stellung wie von selbst

Wenn ich mein Pferd ohne den Einsatz des Zügels biegen und stellen möchte, muss ich dies über meine Beine und meine Hüfte machen. Klingt logisch oder?

Ich treibe also wieder im Bauchpendel-Rhythmus. Soll das Pferd jetzt zum Beispiel nach rechts gestellt werden, muss ich drei Dinge dafür tun. Zum einen, treibe ich rechts im Bauchpendel-Rhythmus stärker als links. Ich schaue nach rechts und schiebe meine Hüfte, wenn ich rechts gerade nicht treiben muss, in Richtung linke Hand. Daraufhin sollte das Pferd sich nach rechts stellen. Das Gleiche kann ich natürlich auch nach links machen.

Vorwärts Abwärts mit der richtigen Hilfe

Die richtige Hilfe zum Vorwärts Abwärts ist die Gleiche wie die, die ich vorab unter dem Punkt Biegung und Stellung erklärt habe. Ich stelle dabei mein Pferd z.B. erst in Konterstellung und danach in die Innenstellung. Daraufhin sollte das Pferd abkippen und den Weg nach unten suchen.

Da man jedoch auch hier nicht mit dem Zügel einwirkt, kann es durchaus etwas dauern, bis das eigene Pferd versteht und entsprechend reagiert. Bei dieser Übung ist Geduld angesagt. Ich konnte die Übung bei zwei sehr unterschiedlichen Pferden testen. Bei Beiden hat es geklappt, wenn es auch etwas gedauert hat. Sobald die Pferde aber verstehen, was man von ihnen möchte, hatte ich den Eindruck bieten Sie es immer schneller von selbst an und strecken sich auch immer tiefer ab.

Ecken richtig ausreiten

Oft wird wenig Wert darauf gelegt die Ecken der ganzen Bahn richtig auszureiten. Dabei bilden diese immer eine Viertelvolte. Eine Volte würde wahrscheinlich niemand so vernachlässigen. Der Unterschied zwischen einer Volte und einer Ecke ist natürlich der, dass die Ecke durch die Bande begrenzt wird. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir diese gleich weniger aktiv reiten und uns mehr entspannt vom Pferd tragen lassen. Dabei kann man die Ecke so gut nutzen, um sein Pferd wieder zu versammeln. Wie reite ich also eine Ecke aktiv vom Bein und Hüfte?

Nehmen wir einfach an, wir befinden uns auf der linken Hand und steuern auf eine Ecke zu. Dann gebe ich meinem Pferd beim Hineinreiten in die Ecke mehrfach den Impuls zur Innenstellung. Ich treibe also im Bauchpendel-Rhythmus stärker links, sitze vermehrt links und wenn links gerade nicht treibt, schiebe ich meine linke Hüfte in Richtung rechte Hand. So stellt sich mein Pferd nach innen und ich komme tief in die Ecke hinein.

Zum Rausreiten aus der Ecke gebe ich dann einmal genau den entgegengesetzten Impuls. Einmal schnell die Hilfe zur Konterstellung. Hier muss das Pferd nicht zwangsweise nach außen schauen. Es soll viel mehr eine Hilfe sein, um besser aus der Ecke heraus zu kommen. Sprich, wenn ich mich auf der linken Hand befinde, rechts stärker treiben, rechts sitzen und mit der Hüfte einmal in Richtung linke Hand schieben.

Zuerst wird man feststellen, dass der Ablauf im Schritt schon sehr schnell aufeinander folgt. Am Anfang kann man sich gar nicht vorstellen, dass das irgendwann auch im Trab klappen kann. Aber auch hier gilt, Übung macht den Meister.

Sit-ups für Pferde – Schritt in Eigenhaltung

Für alle Pferde, die Probleme mit dem Rücken haben, ist diese Übung sehr gut geeignet. Ähnlich wie beim Traben über Bodenstangen, wöblt das Pferd mit dieser Übung den Rücken auf und muss dies über die Spannung im Bauch halten. Eine sehr anstrengende Übung. Jeder, der mal mehrere Sit-Ups gemacht hat, weiß, wovon ich spreche. Wie erreiche ich nun, dass mein Pferd sein Brustbein anhebt und somit den Rücken wölbt?

Ganz einfach, getrieben wird auch hier im Bauchpendel-Rhythmus. Das Pferd ist erst einmal tief im Vorwärts Abwärts eingestellt. Nun darf der Reiter nicht mehr in der Hüfte den Bewegungen des Pferdes folgen, muss aber weiterhin mit den Beinen treiben. Das Treiben erfolgt nur aus dem Kniegelenk heraus. Das Pferd müsste daraufhin den Kopf etwas heben und meistens wird auch die Atmung lauter. Wenn jemand das Pferd vom Boden aus beobachtet, wird dieser feststellen, dass es im Vorwärts Abwärts ruhiger mit kleineren Nüstern atmet, als wenn es in Eigenhaltung laufen muss.

Fazit

Für uns war das Training bei Ralf mal etwas ganz Neues. Da ich immer offen für neue Trainingsmethoden und auch mal andere Wege bin, konnte ich die Übungen gut annehmen und habe mich nicht daran gestört, dass wir nicht an hohen Lektionen rumgepfeilt haben. Ich denke, dass das eine wichtige Vorraussetzung ist für jemanden, der sich für diese Art von Unterricht interessiert. Ich bin definitiv der Meinung, wenn man die Aufgaben annimmt und diese fleißig übt, kann man wirklich zu einem besseren Reiter mit viel feineren Hilfen werden. Die Frage ist natürlich, wie gut man diese Übungen mit seinem normalen Training kombinieren kann. Wie überall im Pferdetraining braucht man auch hier Geduld und Fleiß. Wir werden auf jeden Fall dran bleiben und die Übungen regelmäßig wiederholen. Wenn uns alle Aufgaben dann irgendwann gut gelingen, wird Ralf uns bestimmt wieder einen Besuch abstatten. Darauf freuen wir uns schon jetzt.